
Ein Bericht aus Teheran
Als ich morgens aufwachte, war der Schlaf noch nicht ganz aus meinen Augen gewichen. Ein trübes, graues Licht drang durch die Vorhänge, ein Licht, das eher an Staub als an einen Morgen erinnerte. Mein Blick fiel auf das Balkongeländer, das durch das Fenster zu sehen war. Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, was mit dem Bild nicht stimmte. Das Geländer hatte nicht mehr seine vertraute metallische Farbe. Eine schwarze Schicht hatte sich darauf abgelagert, als hätte jemand in der Nacht alles mit dickem Ruß besprüht. Dann wanderte mein Blick zu den Mauern des Innenhofs. Da wurde mir klar, dass es nicht nur das Geländer war. Auch die Mauern waren schwarz geworden. Keine Flecken, kein gewöhnlicher Stadtstaub, sondern eine gleichmäßige Schicht, als hätte sich die Nacht selbst an den Häusern festgesetzt und wollte nicht mehr weichen.
Ich zog mich an und stieg ohne zu zögern auf das Dach. Ich wusste, was mich dort erwartete. Nach der Explosion des Öldepots von Shahran während des zwölf Tage dauernden Krieges [im Jahr 2025] war das nicht schwer zu erraten. Dennoch stockte mir der Atem, als ich die Tür öffnete und zum Himmel hinauf blickte. Der gesamte Himmel war schwarz. Nicht bewölkt, nicht grau – schwarz. Eine Schwärze, die sich bewegte und wand, wie ein riesiges Tier, das über der Stadt lag. In der Ferne stieg immer noch eine Rauchsäule aus Richtung der Rey-Raffinerie auf, eine Säule, die im schwarzen Dunst verschwand und dann wieder auftauchte. Ich schaute in Richtung Azadi-Platz. In Richtung Milad-Tower. In Richtung der Berge, die stets hinter ihnen aufragen. Nichts war zu sehen. Alles war in diesem schwarzen Dunst verschwunden, einem Dunst, der, wie man sagte, aus den brennenden Öllagern von Aghdasieh und Shahran aufgestiegen war und nun schwer über der Stadt lag.
Weiterlesen








