
ARTIFICES – Kollektiv für theoretische Intervention
Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Reihe über den Klassenkampf in Frankreich im Jahr 2023, deren erster Teil über die Bewegung gegen die Rentenreform auf unserer Website veröffentlicht wurde.
Unter Hinweis darauf, dass nur ausgehend von der tatsächlichen Aktivität des Proletariats in den Kämpfen eine echte Analyse der Unruhen nach dem Tod von Nahel möglich ist, untersucht dieser Artikel, inwieweit diese Unruhen einen kommunistischen Aufstand vorweggenommen haben könnten. Er versucht, die Unruhen ausgehend von der besonderen Situation des rassifizierten Proletariats zu betrachten, um die allgemeine Lage des Proletariats seit der letzten Umstrukturierung der kapitalistischen Produktionsweise zu verstehen.
Das Ende des Frühlings
„Bereit, alles niederzubrennen wie in Vaulx-en-Velin”
ISHA – Au Grand Jamais
Am 27. Juni dieses Jahres verbreitete sich in den sozialen Netzwerken ein Video, das einen Mord durch Polizisten bei einer Verkehrskontrolle zeigte. Darin war zu sehen, wie zwei Polizisten den Fahrer eines in Nanterre angehaltenen Autos erschossen. Auch wenn dieses Ereignis für das rassistisch diskriminierte Proletariat in den französischen Vororten leider nichts Ungewöhnliches ist, verlieh die Existenz eines Videos, das die ganze Welt die schreiende Barbarei der Ermordung eines 17-Jährigen sehen ließ, diesem Vorfall, der sonst nur eine lokale Meldung geblieben wäre, eine besondere Bedeutung – ebenso wie ein ähnlicher Mord, der sich kürzlich in Cherbourg ereignet hatte. Die weite Verbreitung des Videos löste schnell eine Welle der Empörung aus, die unter anderem bereits am Abend des Verbrechens zu einer Reihe von Unruhen führte.
Auch wenn Ausschreitungen als Reaktion auf einen Polizeimord an sich nichts Außergewöhnliches sind [1], haben die Unruhen nach dem Tod von Nahel das Jahr 2023 – und darüber hinaus – doch in besonderer Weise geprägt. Ihre Intensität, ihre Dynamik, ihr Inhalt, aber auch ihre Unterdrückung markierten einen besonderen Moment im Klassenkampf im Allgemeinen. Sobald die ersten Zusammenstöße begannen, brachte das Ereignis die letzten Gesänge der sozialen Bewegung endgültig zum Verstummen [2] und läutete eine politische Offensive ein, wie sie in Frankreich seit den glorreichsten Taten der Gelbwesten nicht mehr gesehen worden war. Aus diesem Grund fanden die Unruhen breite Unterstützung, auch in den Reihen der extremen Linken, während sie 2005 [3] nach dem Tod von Zyed und Bouna einstimmig verurteilt worden waren. Paradoxerweise beschränkt sich das meiste, was in unseren Kreisen zu diesem Thema produziert wurde, auf unhörbare Solidaritätsbekundungen – in Form von überschwänglichen Slogans – gegenüber den Randalierern. Auch wenn sie nur wenige Tage dauerten, sind wir der Meinung, dass diese Unruhen einen wichtigen Moment im aktuellen Kampfzyklus darstellten, dessen Geschichte und Erbe es gilt, weiterleben zu lassen.
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