Ein 10. September vor der Zeit – Erklärung zur Blockade der Umgehungsstraße von Bordeaux am Dienstagmorgen

Wo wart ihr heute Morgen? Wir haben euch nicht gesehen! Ach, war es erst morgen? Wir haben uns im Tag geirrt, sorry, wir dachten, es wäre schon morgen. Mist, ist heute Montag, Freitag oder Sonntag? Wir haben schon viel zu lange die Tage gezählt, bis wir euch wieder sehen konnten. Es ist fast 6 Uhr morgens, als Bordeaux von einigen Dutzend Menschen in zwei Teile geteilt wird, die entschlossen sind, sofort zu handeln. Wir sind mit Reifen, Warnwesten, Warndreiecken und Warnblinkern bewaffnet losgezogen, um den Verkehr zu blockieren; ein Teil von uns ganz im Norden der Umgehungsstraße, in der Nähe des Sees, in Bruges; die anderen ganz im Süden, in der Nähe von Gradignan.

Stecken Sie im Stau fest? Verlassen Sie diese Stadt, wenn Sie keine Lust haben, zur Arbeit zu gehen, gehen Sie nach Hause, das ist unsere Einladung. Dann treffen Sie sich mit Ihren Freunden, Liebsten, organisierten Gruppen, schmieden Sie Pläne und zünden Sie die Lunte! Wir versuchen, einen allgemeinen Ruhetag zu erreichen, um uns morgen früh in Topform wiederzusehen.

Unter den ermutigenden Hupkonzerten und den wenigen Jubelrufen, die bei 90 km/h zu hören waren, wurde das erste Radargerät der Bewegung umlackiert, während gleichzeitig Reifen quer über die Fahrspuren verteilt wurden. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da stand der Autoverkehr bereits still. Indem wir den Verkehr in Richtung Paris einerseits und Spanien andererseits zum Erliegen brachten, versuchten wir, die Stadt für einige Augenblicke zu verlangsamen. Wir wollten einem Aufruf folgen: „Blockiert alles!“, in der Hoffnung, dass er sich ausbreitet. Wie die Gelbwesten wollten wir zeigen, dass Gewerkschaftsdemonstrationen nicht ausreichen und immer zu zivilisiert sind. In ihrem Überlaufen liegt der Funke, der alles in Brand setzen würde. Besetzungen, Blockaden, Streiks und alles, was uns Zeit zum Kämpfen verschafft, das ist es, was einer Bewegung Kraft verleiht, die Möglichkeit einer Revolte. Und angesichts der Geschwindigkeit, mit der die Maschine voranschreitet, gibt uns jede verlorene Sekunde den Atem, um uns weiter zu organisieren und sie aufzuhalten.

Wie man in den Versammlungen sieht, die überall stattfinden, ist es ebenso wenig sinnvoll, Forderungen zu stellen, wie zu versuchen, sich Gehör zu verschaffen, um eine Regierung zu überzeugen, etwas zu ändern. Bayrou ist gestürzt, seine Regierung wird ihm sicherlich folgen – was für eine bizarre Widerholungskomik –, aber nichts ändert sich, denn nicht im Plenarsaal entscheidet sich alles, sondern auf der Straße und vor allem in unserem Leben! Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, Arbeit fürs Leben – daran haben wir nie geglaubt. Allein, überwältigt von den Steinen all dieser Gebäude, fragen wir uns, ob wir nicht besser zusammen wären, um unsere Schritte an denselben Mauern widerhallen zu lassen, denn dort finden wir unsere Kraft; allein, aber erfüllt.

Am 10., am 11., am 12. Wovon redest du? Von allen folgenden Tagen! Wir wussten nicht, wann wir anfangen sollten, wie sollten wir dann wissen, wann wir aufhören sollten? Die Zeit wird nicht stehen bleiben, also werden wir es auch nicht tun.


Veröffentlicht auf Lundi Matin, ins Deutsche übersetzt von Bonustracks.

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