
Cesare Battisti
Das letzte Buch ist wie die letzte Zigarette: Man wirft die Packung weg und kauft sich eine neue. Ich habe schon so oft mit dem Rauchen aufgehört und ebenso oft mit dem Schreiben. Vor einem Vierteljahrhundert habe ich dem Rauchen Lebewohl gesagt, aber mit dem Schreiben habe ich es nicht geschafft, es ist eine harte Droge. Ich versuche es auch jetzt gerade, während ich schreibe. Ich widme mein ganzes Leben dieser Autobiografie, danach muss sich der Wurm ein anderes Stück Holz zum Nagen suchen. Aber mir fehlt noch ein Stück Weg, das letzte, ohne das sich das Wort „Ende“ nicht setzen lässt. Der Gedanke, dass ich es wirklich tun könnte, dass ich dieses Mal mit der vollen Schachtel auch das Verlangen nach Verständnis wegwerfe – schließlich war das Schreiben für mich immer eine persönliche Abrechnung –, ist beunruhigend. Und traurig, als würde man etwas Gestalt geben, das es nicht mehr geben wird; als würde man die Leere umschreiben, die die letzte Zigarette im Leben des Rauchers hinterlässt.
Und so habe ich es gestern nicht geschafft, weiterzumachen. Vor dem Bildschirm zu sitzen und Erinnerungen zu durchforsten, wie damals, als ich Ideen gebar, und mit dem Unbehagen auch den Schmerz wiederzubeleben, dass es einmal so war. Abgesehen von der Gefahr, auch jetzt noch den x-ten Tribut an das Schreiben zu zahlen: die letzte Demütigung der Erinnerung. Also habe ich dem Hohn einen Ausflug an die frische Luft vorgezogen.
Unten im Hof fand ich einen Sonnenstrahl, der an der Mauer entlanglief; eine Reihe von Häftlingen folgte ihm. Ich reihte mich hinter ihnen ein, den Blick gesenkt, darauf bedacht, keine Gespräche anzufangen, die mich doch abgelenkt hätten: die Traurigkeit zu lindern, indem man sich eine unendlich kleine Dosis desselben Übels verabreicht. Früher, zumindest in Höfen wie diesem, war es die Wut, die mir Gesellschaft leistete, jetzt ist es die Melancholie, die den Ton angibt. Ich folge der Sonne: „Glücklich der, der an Wänden hochklettern kann, ohne eine Maschinengewehrsalve zu riskieren.“ Das hat Raffaele einmal gesagt, als er in den Himmel blickte und darin das Antlitz Jesu sah. Er sieht Jesus überall, er sagt es mit solcher Leidenschaft, dass ich oft versucht bin, es zu glauben. Hier machen sie sich über ihn lustig, weil er immer lacht; manchmal weint er, aber es ist, als würde er lachen. Raffaele ist ein alter Dieb, einer von der alten Schule, die stahlen, um zu leben, und nicht wie heute, um sich ihre Dosis zu beschaffen. Ich bin ihm sympathisch, weil ich ihm zuhöre. Ich habe aus Höflichkeit angefangen, ihm zuzuhören, dann hat er mich neugierig gemacht, und manchmal überrascht er mich mit einer Eingebung, dann lachen wir zusammen. „Der alte Terrorist lacht mit dem alten Dummkopf“, sagen die Blicke der Mitgefangenen. Blicke, die immer wieder aufleuchten, im Rhythmus, den das Methadon vorgibt, durch den schönen Anruf zu Hause, durch die x-te Ablehnung des Bewährungsrichters, durch die Angst und die Liebe, die sie verschlingt. Augen, die wandern, und ich, der ihnen folgt, hinter diesem Streifen Sonne, der sich verjüngt und steigt, und je höher er steigt, desto mehr heben sich die Blicke, klammern sich an ihn wie an das letzte Licht der Hoffnung.
Und in der Hoffnung, diese Passage zu vollenden, beginne ich heute früh von Neuem. Ich grabe die Erinnerungen an eine Zeit aus, in der ich glaubte, das Schreiben zu einer Gewissensprüfung machen zu können. An die Zeit, als ich, ein Buch nach dem anderen, stets dem Unvollendeten nachjagend, auf der krampfhaften Suche nach Unschuld, tausend Varianten fand, um dieselbe Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die, seien wir ehrlich, wenig klar war, mit einem Anfang, der wie ein Ende wirkte, und bei der die Umstände immer das letzte Wort hatten. Damals hatte mich niemand kommen sehen; ich nehme an, es war das sterbende Licht des Jahrtausend, das meinen Streifzug durch die glanzvollen Heiligtümer von Saint-Germain-des-Prés begünstigte.
Erschienen am 19. Mai 2026 auf Carmilla Online, ins Deutsche übertragen von Bonustracks.