
Worte von Panagiotis Argirou, ehemaliges Mitglied der „Verschwörung der Feuerzellen“, anlässlich der Veranstaltung „Chaotische Intervention“, die in Chile zum Gedenken an den Anarchisten Mauricio Morales Duarte stattfand. 17 Jahre nach dessen Tod während einer Aktion.
Es sind nun 17 Jahre vergangen seit jenem Tag, an dem uns die Nachricht von einer vorzeitigen Explosion in Santiago erreichte, die das Leben eines jungen Genossen auslöschte, der von vielen Menschen in seiner Stadt und wahrscheinlich auch darüber hinaus geliebt wurde: der Genosse Punky Mauri. Um das vom griechischen Staat verwaltete Gebiet zu erreichen, hatte er Tausende von Kilometern zurückgelegt, einen Ozean und zwei Kontinente durchquert und auch unsere Herzen bewegt. 17 Jahre sind eine lange Zeit, und zweifellos ist viel geschehen, denn diese Jahre haben in jedem von uns einen anderen Eindruck hinterlassen… Für mich, der ich von dieser traurigen Nachricht tief getroffen wurde, läuft jedes Mal, wenn dieses Datum näher rückt, ein Schauer über den Rücken, und die emotionale Ergriffenheit ist immer noch sehr stark. Vor allem in den letzten anderthalb Jahren, in denen wir das unglückliche Schicksal miterleben mussten, auch in Griechenland den Tod eines ebenso wertvollen Genossen, Kyriakos Xymitiris, durch eine vorzeitige Explosion zu erleben. Dies hat uns dazu veranlasst, zu suchen, zu recherchieren und herauszufinden, wie viele Brüder und Schwestern wir auf ähnliche Weise verloren haben, und ihre Geschichten in dem Buch „Stelle circumpolari“ zu erzählen, das zum Gedenken an Kyriakos veröffentlicht wurde.
Es ist sehr wichtig, dass die Erinnerung an Mauri durch Gedenkveranstaltungen wie die von euch organisierte sowie durch jede andere Initiative, ob politischer Natur oder nicht, weiterlebt. Die Menschen, die uns verlassen haben, insbesondere diejenigen, die mitten im Kampf von uns gegangen sind, nah bei uns, an unserer Seite zu halten, ist etwas, das über die kollektive Bewältigung der Trauer hinausgeht. Es ist in erster Linie eine kollektive Antwort auf die mächtigste Waffe der Macht, das Vergessen, und darüber hinaus eine kollektive Antwort auf die Zukunft. Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit, und die Vergangenheit trägt unsere Toten und ihre Geschichten mit sich. Geschichten, die wir erzählen, teilen und an die jüngeren Generationen weitergeben müssen. Geschichten von wunderbaren Menschen mit wunderschönen Lächeln, wie Mauri, Kyriakos, Alessandro und Sara, die wir kürzlich bei einer weiteren tragischen, vorzeitigen Explosion in Italien verloren haben.
Wie in dem Kyriakos gewidmeten Buch zu lesen ist, das auch auf Mauri Bezug nahm, handelt es sich um Geschichten, die von der offiziellen Geschichtsschreibung der Bewegung ignoriert wurden. Geschichten von Menschen, deren Leben mit einer Ladung Dynamit, einer Uhr, einem Zünder, einer Handgranate, einer Bombe oder einem improvisierten Granatwerfer verflochten war. Geschichten von Revolutionären, die zum letzten Mal ihre Koffer gepackt haben. Die sich ins Auto oder auf das Fahrrad gesetzt haben, um eine Reise ohne Wiederkehr anzutreten. Die eine Wohnung betreten haben, um sie nie wieder zu verlassen. Die für immer im Rauch einer tragischen, versehentlichen Explosion verschwunden sind und unvollendete Taten und gebrochene Versprechen zurückgelassen haben. Sie hinterließen erschütterte Menschen, die sich immer wieder fragten, was wohl passiert wäre, wenn… Durch diese Geschichten erfahren wir nicht nur, wer diese Menschen waren, sondern auch, wer diejenigen waren, die ihnen zur Seite standen. Welchen Zielen sie sich widmeten, wie sie über sie sprachen, wie sie für sie handelten. Durch diese Geschichten lernen wir, wie die Menschen gelernt haben, weiterzumachen, und weiterzumachen, und weiterzumachen. Denn wenn es etwas gibt, das bleibt, dann ist es genau das. Das bittere Bewusstsein, dass wir gegen alles ankämpfen und dass die einzige Wahl, die wir haben, darin besteht, weiterzumachen. Weinen, trauern, fluchen, die Zähne zusammenbeißen und schwören, dass wir nicht vergessen werden. Dass wir weitermachen werden. Was auch immer geschieht.
Abschließend möchte ich meine tiefe Rührung darüber zum Ausdruck bringen, denselben Ort mit einem Weggefährten geteilt zu haben, mit dem sich unsere Wege gekreuzt haben, obwohl wir uns nie persönlich begegnet sind. Trotz der Tausenden von Kilometern, die uns trennten, haben wir uns dank unserer Entscheidungen und der Wechselwirkungen zwischen diesen wiedergefunden. Es ist ein überwältigendes Gefühl und eine große Ehre für mich, vor Kyriakos’ Grab gestanden zu haben, um Worte zum Gedenken an Mauri zu rufen, und an der Demonstration zu seinen Ehren teilgenommen zu haben, die von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde. Ich wäre heute gerne bei euch gewesen, um die Geschichten über Mauri zu hören, die Aktionen zu seinem Gedenken zu sehen und mit euch zu rufen.
Mauricio Morales, presente!
Ich hoffe, es geht euch allen gut.
Anarchie, immer und vor allem.
Ins Deutsche übersetzt von Bonustracks aus der italienischen Version, die am 4. Juni 2026 auf La Nemesi erschien.